Stockhorns Schatten

Was wächst in den Spuren der Panzer

Wenn die Sonne hinter der Stockhornkette verschwindet, leuchten die Felsen weiter. Ein Paar fährt mit Inlineskates über die Allmend und ein Modellflugzeug zieht seine Kreise. Rapport einer Grenzwanderung zwischen Tag und Nacht.

Zwischen Tag und Nacht liegt der Waffenplatz Thun in blauem Licht. Wir fahren mit unserem buntbemalten Pressebus der Panzerpiste entlang. Sie liegt breit wie eine Rennbahn in der Landschaft. «Höchstgeschwindigkeit ist 80 Stundenkilometer», hat der Oberst gesagt. Wir halten uns daran. An die Strasse grenzt eine Steppe. Nur die Schilder verraten, dass es nebst Rehen und Reihern noch andere Arten von Lebewesen zwischen den Hügeln gibt. Getarnt und gepanzert sind sie, für alle Fälle. Und fast unwirklich sehen sie aus, die Rekruten der Panzeraufklärerkompanie, in dieser Idylle.

Hauptmann Colin Dubach hat uns einen Plan mitgegeben, worauf das militärische Sperrgebiet sowie die Posten der 24­Stunden­Übung eingezeichnet sind, welche die Rekruten heute absolvieren müssen. Indiana Jones, No Fuel oder Highway to Hell heissen sie. Je nachdem sind Sportlichkeit, Intellekt oder beides zugleich gefragt. Es ist die Rede vom Durchqueren einer Höhle, vom Klettern an Drahtseilen, vom Stossen eines Panzers. Wir sind gespannt. Denn auf demselben Plan, in den Zonen von Zielhang und Panzerpisten, liegt seit 2004 ein zertifizierter Naturpark.

Als sich hier vor über 15000 Jahren die Moränen der Aaregletscher zurückgezogen haben, blieben riesige Findlinge liegen und in den Furchen des Landes bildeten sich Tümpel und kleine Seen. Über Jahrhunderte wurde hier Torf gestochen. Bis man dann im 18.Jahrhundert die Kander gebändigt und das Hochmoor in eine Trockenwiese verwandelt hat. Für die Landwirtschaft bot das Gebiet aber keine lohnenswerte Nutzung. Der Boden auf dem alten Flussschotter war zu mager. Andere Parteien haben sich darauf die Weite und Kargheit der Landschaft zu Nutzen gemacht. Vom Aussterben bedrohte Amphibien wie die Kreuzkröten und die Gelbbauchunken. Über 40 verschiedene Vogelarten, darunter seltene Bodenbrüter wie die Feldlerche und der Flussregenpfeifer. Und die Panzeraufklärungstruppen des Schweizer Militärs.

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Agenda

19.11.2017

Kulturdinner mit Käser & Lerch

Odeon Brugg
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21.11.2017

Schaffhauser Buchwoche


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23.11.2017

Käser & Lerch im Salon Rehböckli

19 Uhr an der Trittligass 26 in Zürich. Anmeldung erforderlich! Kontakt: prisca.senn@bluewin.ch