unterwegs

der Wald ist bevölkert von Giftpilzen und solchen, von denen wir nicht wissen, ob sie giftig sind oder nicht. oben im Jura finden die Geister der Ebene einen Platz zum Ausbreiten und Einnisten. in jedem Korn, jedem Gras. um acht Uhr morgens beginnen die Hunde im Zwinger zu singen. wir wachen auf, liegen da und lauschen dem Konzert. der Wind in diesem Sommer ist kalt, als käme er von weit. in der Nacht halten mich Träume von Tod und getötet werden wach, deren Bedeutung sich weder dir noch mir erschliesst. so verängstigt aus der Nacht kommend und erschreckt vom ersten Morgenlicht, das erneutes Bestehen als Mensch verheisst. im Wald bewegen wir uns wie Wölfe. die Nachtstunden sind dem Zweifel gewidmet, aber am Tag werden diese erst sichtbar. während Wochen spielen die Kinder auf dem Schulhausplatz Fussball, sie werden immer besser. nun ist ihr Rufen und das brutale Klatschen des Balles an die Fassade verstummt, lange haben mich diese Störungen geärgert und nun vermisse ich sie. es ist nicht der nahende Herbst, der mich melancholisch macht, es ist der immer wiederkehrende Alltag, der mich in Verzweiflung stürzt. die Abfolge der Tage, es spielt keine Rolle mehr welcher Wochentag, ich lebe auch nicht auf das Ende einer Woche hin, an dem entspannt in der Bar getrunken wird, etwas Aufregendes gekocht, eine Einkaufstour in der Innenstadt unternommen wird, ein Apéro stattfindet, ein Fest, ein Geburtstag, dafür lebe ich doch nicht, sage ich mir, und draussen sagt ein Kind zum anderen du Wichser.

die Gangsters, die an den kleinen Bahnhöfen warten: das hier ist nicht einmal mehr Provinz, das ist die Abgeschiedenheit schlechthin. aber jede Abgeschiedenheit in diesem Land hat einen frisch renovierten Bahnhof. sie sind jung und bestens angezogen, ny-style, ich bin neidisch, weil ich Wanderschuhe trage, den schwarzen Faserpelz, eine schwarze Regenjacke. manche stehen alleine auf den verlassenen Perrons unter Beobachtung des Bahnhofvorstehers und steigen schnell in den kurzen Zug. Darin warten die Freunde, der Handschlag, die kurze Begrüssung, das schnelle Französisch, ich bin fasziniert. du sagst, sie würden jeden hassen, der freiwillig hier oben lebe, aber ich bin mir nicht sicher. natürlich wollen sie so bald wie möglich in die nächstgrösste Kleinstadt oder vielleicht in die Staaten und trotzdem wird zwischen ihnen und den abgelegenen Dörfern immer eine Verbindung bleiben. zu einer Landschaft, zu einer gelassenen Trägheit, einer bestimmten Ruhe. das rote Züglein sammelt sie alle ein, manchmal warten sie auch zu zweit oder zu dritt, treten von einem Bein aufs andere, suchen das Gefährt mit den Augen ab, nach dem einen oder anderen bekannten Gesicht. in den Abteilen ist es sehr bequem, auch die Wände bezogen mit rotem Stoff. aus ihren Iphones die Beats in schlechter Qualität, aber ich verstehe gut, was sie damit meinen.

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